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Theologischer Ansatz
 

Für eine Theologie 
der Lebenswirklichkeit 
 


Mein jugendlicher Eifer für die Theologie geriet bereits im zweiten Studienjahr in Gefahr, völligen Schiffbruch zu erleiden. Es war die Begegnung mit der modernen, dialektischen Theologie, welche ich als tiefe Bedrohung bzw. Infragestellung meiner inneren Werte - und des Glaubens allgemein - empfand. Meine Kommilitonen teilten diese Sorge nicht, sie waren im Gegenteil angetan von den neuen Thesen und sahen sie eher in rosarotem Licht. Was seinerzeit auch eine politische Färbung hatte. Persönlich meine ich immer noch, daß mit dem Einschwenken auf die dialektische Theologie damals die Weichen zum Verfall der heutigen Volkskirche gestellt wurden. Ich konnte mich damit nicht anfreunden; ein Gefühl der Desorientierung stellte sich ein. Um erst einmal nachzudenken, setzte ich mein Studium aus und ging als Fabrikarbeiter ans Fließband. Das erwies sich als gute Entscheidung; in den stetig gleichen Prozessen beim Schichtwechsel und an der Maschine klärte sich meine Sicht. Immer wenn ich in meinem Leben später Orientierung suchte, habe ich von da an die Arbeit gewählt; sie klärt den inneren Standpunkt und bringt auf den Boden zurück. Es brauchte Geduld - mit mir selbst, aber auch seitens meiner Umwelt und meiner Landeskirche, bis ich wieder ein tragfähiges Fundament für mein Weiterstudium gefunden hatte.
Nach und nach erschloß sich mir ein neuer Horizont, vermittelt vor allem durch die Schriften von  P.Tillich und C.G.Jung. Ihre Gedankengänge sind meiner Ansicht nach die bedeutendsten Beiträge zur Theologie des 20. Jahrhunderts. C.G.Jung vor allem hat einen über seine Psychologie weit hinausgehenden anthropologischen Beitrag für das Verständnis der abendländischen Kultur und ihrer Symbolik geleistet. Mit Jungs Werken begann mein Interesse für Phänomene der Akkulturation und für den Brückenbau zwischen verschiedenen Weltdeutungs - Systemen. Seine Ausführungen sollten heute mehr als bisher erforscht und weitergegeben werden, denn:

Die westliche Welt erlebt zur Zeit einen Prozeß der Remythisierung und Belebung alter und neuer Weltbilder. Diese Entwicklung weckt tiefste Ängste, wird aber auch zum Auslöser überaus positiver Veränderungen. Die protestantische Theologie steht diesem Prozess verständnislos und eher ablehnend gegenüber. Hat sie doch in den Jahren seit 1945 ihre Lehre ständig weiter entmythologisiert und rationalisiert. Heutige Lehre von Gott gibt sich realitätsnah, unterkühlt, aber freundlich, inhaltlich weniger auf das Heilige als auf den Puls der Zeit fokussiert. Sie hat ihre ureigensten Bilder, Symbole und Legenden, kurz jene geheimnisvollen überlieferten Schätze der Vergangenheit als Ballast abgetan.
Daß dabei unsere "raison du cur" (Pascal) und das innere Erleben ins Hintertreffen geraten sind, ist sattsam bekannt und wird auf jedem Pfarrkonvent fast formelhaft wiederholt.
Geändert wird nichts, es wird von einem "Defizit" geredet, das man "beheben" sollte. Wortgeklingel. Anstatt den klaren Satz zu formulieren, wie es jener Ritter der Gralslegende einst getan hat, indem er sagte: "Wir sind von unserem Wege abgekommen." Wir sind von unserem Wege abgekommen. Das ist es. Kein Beschönigen mehr. Die Leugnung des Mythos und damit des inneren Lebens selbst war der "krönende" Abschluß eines in letzter Konsequenz mechanistischen, sterilen, spirituell toten Weltbildes.
Altizers "Gott- ist- tot- Theologie" bildet dann nur noch eine logisch naheliegende Weiterentwicklung. Einen Beleg für diese Behauptung stellt die folgende Beobachtung:  Auch ein Atheist kann heute Theologe werden oder sein. Er muß nur bestimmte Trendbegriffe gebrauchen bzw. sie ein wenig umdefinieren, z.B. "der Mensch als Gottes Stellvertreter". Es wird in der verdünnten Luft rationaler Wortgeplänkel garnicht auffallen, daß sich hinter diesen Begriffen nichts Substanzielles mehr befindet. "Die Existenz Gottes vollzieht sich im Gesucht - Werden." Was ist an diesem Mustersatz moderner Theologie überhaupt noch erschütternd, wenn die alten, heiligen Texte nur Bilder und "Predigtillustrationen" sind? Wollen Sie wirklich weiterlesen? Hier mehr dazu.


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